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Die Zeugung: «Am Ende des Tages bleibt es ein Zeugungsakt. Nicht mehr und nicht weniger.» - Re:daktion

Wie lebt ein selbstständiger Samenspender?

Teil 3: Die Zeugung: «Am Ende des Tages bleibt es ein Zeugungsakt. Nicht mehr und nicht weniger.»


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Während ich mich glücklicherweise weder heute noch morgen dem Spiessrutenlauf «Kinderwunsch» stellen muss, ist die Fortpflanzung für viele Menschen aus meinem näheren Umfeld bereits ein omnipräsentes Thema. Doch was, wenn die Zeugung eines eigenen Kindes überhaupt nicht möglich ist? Dominik*, ein Mittdreissiger aus dem deutschsprachigen Grossraum, ist seit zehn Jahren als Samenspender aktiv. Das Ungewöhnliche dabei? Er spendet nicht über eine Samenbank, sondern befruchtet Frauen selbst mittels natürlichem Geschlechtsverkehr.



In diesem dritten Teil der Serie erklärt Dominik, was genau man sich unter dem Zeugungsakt zwischen ihm und den Spendeempfägerinnen vorstellen kann. Viel Romantik und grosse Gefühle? Fehlanzeige – viel eher handelt es sich dabei um ein Mittel zum Zweck.

Es kommt also zum entscheidenden Treffen. Überkommt einen beim Gedanken, mit einer beinahe fremden Person zu schlafen, nicht ein sehr mulmiges Gefühl?



Prinzipiell fühlt es sich immer komisch an. Grundsätzlich ist jede Person anders, aber im Allgemeinen begegnen sich beide Parteien eher mit einer gewissen Zurückhaltung. Im Falle der Becher-Methode ist es sicher etwas einfacher und die Atmosphäre weniger angespannt. Bei gewissen Frauen hängt es auch mit dem Ort des Treffens zusammen. Meistens finden die Treffen in einem Hotelzimmer statt. Auf ausdrücklichen Wunsch einiger Klientinnen, besuche ich diese jedoch teilweise auch Zuhause. Das tue ich aber eher ungern, weil ich mich ab einem gewissen Punkt auch abgrenzen möchte bzw. muss. Einige Dinge will ich gar nicht wirklich wissen…



Das wäre meine nächste Fragen gewesen: Inwiefern schützt du dich davor, eine emotionale Beziehung zu deinen Klientinnen aufzubauen? Ist das überhaupt in allen Fällen möglich?



Mittlerweile kann ich das ziemlich gut. Dieser Selbstschutz ist indes auch notwendig, um überhaupt weiterhin als Samenspender tätig zu sein. Klar: Bei einigen Klientinnen ist es einfacher, bei anderen etwas schwieriger. Wenn die «Sache» jedoch durch ist, dann ist sie durch. Mir würde es nie in den Sinn kommen, mit einer dieser Frauen eine Beziehung einzugehen. Angesichts der Umstände, unter denen wir uns kennengelernt haben, ist das für mich keine Option.



Ergaben sich auch schon Situationen, in denen es für dich etwas «brenzlig» wurde?



Gab es sicher auch schon, aber das waren Einzelfälle.



Hast du in diesen Fällen etwas unternommen? Bspw. die Befruchtungsversuche eingestellt?



Nein, nein. Schlussendlich verlassen sich diese Frauen auf mich. Aber schlussendlich bin ich auch nur ein Mensch und habe Gefühle. Aber dann denke ich mir wieder: Diese Basis ist keine gute Voraussetzung für eine Beziehung – und dann erledigt sich das Ganze eigentlich schnell wieder.



Nehmen wir das andere Extrem: Du fühlst dich von einer Frau überhaupt nicht angezogen. Wie verhältst du dich in solchen Situationen?



Das merkt man eigentlich bereits während des ersten persönlichen Gesprächs. In der Regel macht sich diese fehlende Anziehungskraft auf beiden Seiten bemerkbar. Wie sagt man so schön: Die Chemie stimmt dann einfach nicht. *lacht* Und wenn die Chemie nicht stimmt, dann kommt es erst gar nicht zu einem weiteren Treffen. Ich bin eben nicht der Typ jeder Frau und nicht jede Frau ist mein Typ. Das ist ganz natürlich.



Wie kann man sich den Akt an sich vorstellen? Romantik ist hierbei wohl eher nebensächlich bis irrelevant?



Das ist genau so. Insgesamt ist der Verkehr sehr nüchtern. Also kein «schöner» Sex, wie der, den man in einer Beziehung erlebt. Ich versuche es für die Frauen zwar möglichst angenehm zu gestalten, doch am Ende des Tages handelt es sich um einen Zeugungsakt – nicht mehr und nicht weniger.



Du sprichst davon, dass du probierst, den Akt für deine Klientinnen möglichst angenehm zu gestalten. Mit welchen Mitteln versuchst du das genau?



Falls es die Situation verlangt, massiere oder berühre ich sie etwas. Aber insgesamt mache ich da keine grosse Sache daraus. Auch hier: Die Frauen sind sehr unterschiedlich und ich merke währenddessen, bei wem etwas mehr Zärtlichkeit und bei wem weniger davon erforderlich ist.



Spielen wir das Szenario mal noch zu Ende. Der Geschlechtsverkehr hat stattgefunden, das Treffen ist beendet. Danach stellt sich natürlich die Frage, ob die Zeugung geglückt ist?



So ist es. In der Regel dauert es rund zwei Wochen, bis ich informiert werde.



Schwingt dabei auch für dich noch eine gewisse Nervosität mit?



Nein, eigentlich gar nicht. Ich mache das ja einfach nebenbei und ansonsten lebe ich mein «normales» Leben und in diesem Leben, weiss ja niemand Bescheid – weder Familie, noch Freunde.



Ist es für dich teilweise schwierig nicht in der Lage zu sein, sich jemandem anvertrauen zu können? Gerade wenn dich eine aktuelle Begebenheit speziell beschäftigt?



Es gibt teilweise schon einige solcher Situationen… Insgesamt bin ich aber eine sehr ausgeglichene Person und somit hält sich dieses Mitteilungsbedürfnis in Grenzen. Das ist wiederum aber auch sicherlich auf meine Fähigkeit, mich abgrenzen zu können, zurückzuführe. Sobald ich aus einem Hotelzimmer oder zur Haustür einer Frau rauslaufe, wechsle ich in einen komplett anderen Modus. Dann denke ich mir: «Okay, um 21.00 Uhr treffe ich mich dort und dort mit meinen Freunden.» Dann freue ich mich einfach auf das und zerbreche mir nicht länger über das, was gerade war, den Kopf.



*Name von der Redaktion geändert

Fact-Check: Anzahl künstlicher Befruchtungen in der Schweiz



Die Anzahl von Frauen, welche sich einer medizinisch unterstützten Fortpflanzung unterziehen, ist innerhalb der 2000er Jahr stetig gestiegen. Den Höchststand erreichte sie im Jahre 2010. Infolgedessen wird rund jedes fünfzigste Kind, das in der Schweiz geboren wird, mittels einer künstlichen Befruchtung gezeugt.

Quellen:


https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/reproduktive/medizinisch-unterstuetzte-fortpflanzung.assetdetail.4762057.html


Disclaimer



Dies war der dritte von insgesamt vier Teilen einer Serie. Es handelt sich hierbei um Ausschnitte eines Interviews, welches mit dem Samenspender Dominik durchgeführt wurde. In dem Vierteiler werden verschiedene Aspekte rund um Dominiks Leben, seine persönliche Gefühlswelt sowie die Thematik der Samenspende beleuchtet.

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