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Die Risiken - eine Frage des Vertrauens - Re:daktion

Wie lebt ein selbstständiger Samenspender?

Teil 2: Die Risiken - eine Frage des Vertrauens


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Während ich mich glücklicherweise weder heute noch morgen dem Spiessrutenlauf «Kinderwunsch» stellen muss, ist die Fortpflanzung für viele Menschen aus meinem näheren Umfeld bereits ein omnipräsentes Thema. Doch was, wenn die Zeugung eines eigenen Kindes überhaupt nicht möglich ist? Dominik*, ein Mittdreissiger aus dem deutschsprachigen Grossraum, ist seit zehn Jahren als Samenspender aktiv. Das Ungewöhnliche dabei? Er spendet nicht über eine Samenbank, sondern befruchtet Frauen selbst mittels natürlichem Geschlechtsverkehr.



In diesem zweiten Teil der Serie geht Dominik offen und ehrlich auf die Risiken ein, welche die Tätigkeit eines Samenspenders mit sich bringt: Von der gesetzlichen Haftbarkeit über den Verlust seiner Anonymität bis hin zu möglichen Geschlechtskrankheiten.

Weshalb handelt es sich bei der Thematik rund um die Samenspende auch im Jahr 2018 noch um ein derart umstrittenes sowie polarisierendes Tabuthema? Woher rührt diese Kontroverse?



Ich bin davon überzeugt, dass dieser Umstand auch in einem direkten Zusammenhang mit den Behörden steht. Würden diese offener damit umgehen, sähe die Lage vermutlich etwas anders aus.



Wie sieht deine Situation auf einer gesetzlichen Ebene aus?



Ich muss die Vaterschaft für sämtliche Kinder, die ich gezeugt habe, übernehmen und bin somit haftbar. Würde mich eine Klientin aus irgendeinem Grund verklagen wollen, dann wäre dies natürlich eine sehr unschöne Angelegenheit.



Dir bleibt demnach nichts anderes übrig, als deinen Klientinnen zu vertrauen?



Absolut. Natürlich könnte ich in einem solchen Fall, wiederum das Sorgerecht anfechten. Es bestehen für beide Parteien gewisse Risiken. Doch die betroffenen Frauen und ich besprechen solche möglichen Szenarien natürlich im Voraus. Die endgültige Garantie dafür, was in zwei oder drei Jahren sein wird, habe ich dennoch nie – sämtliche Entscheidungen beruhen auf einer beidseitigen Vertrauensbasis sowie Ehrlichkeit. Bislang hatte ich jedoch noch nie mit einem derartigen Konflikt zu kämpfen.



Du bist nun seit zehn Jahren als Samenspender tätig und kannst die Zusammenhänge wahrscheinlich ziemlich gut einschätzen. Was ist deiner Meinung nach der ausschlaggebende Grund dafür, dass gerade in den letzten drei Jahren die Nachfrage einer Samenspende so gross war?



Ich glaube das ist vor allem auf das Internet und dessen zunehmende Relevanz zurückzuführen. Zu Beginn schaltete ich nicht nur Inserate, sondern ergriff Eigeninitiative und schrieb die Personen auch direkt an. Mittlerweile bin ich in den spezifischen Kreisen bis zu einem gewissen Grad bekannt, weil dort eben auch viel über Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert. Diskretion ist aber jederzeit sehr, sehr wichtig. Es geht schliesslich niemanden sonst irgendetwas an.



Diskretion ist ein gutes Stichwort. Wie schaltest du deine Anzeigen, ohne dabei deine Anonymität zu gefährden?



Ich schalte meine Inserate grundsätzlich seit jeher im Internet und zwar immer auf denselben sieben, acht Seiten. Auf diesen Plattformen sind natürlich auch immer ungefähr die gleichen Menschen vertreten, welche sich überhaupt mit der Thematik der Samenspenden auseinandersetzen. Ich bin somit nur auf den Seiten zu finden, die spezifisch diesem Zweck dienen und sonst nirgendwo. Auf diese Weise gehe ich kaum ein Risiko ein.



Okay folgendes Szenario: Die erste Kontaktaufnahme über die entsprechenden Seiten bzw. Inserate hat stattgefunden, das Interesse besteht und man beschliesst, die nächsten Schritte einzuleiten. Was passiert dann?



Genau, wir schreiben dann hin und her. Wenn man sich sympathisch ist, werden erstmals Fotos ausgetauscht und es kommt zu einem ersten Telefongespräch. Sofern ab diesem Zeitpunkt das Interesse und die Sympathie weiterhin vorhanden sind, trifft man sich. Bei diesem Treffen dreht sich alles in erster Linie um ein lockeres Kennenlernen, wobei ich meinem Gegenüber sämtliche Untersuchungsergebnisse vorlege und wir unter anderem auch klären, ob das Kind und ich uns zu einem bestimmten Zeitpunkt kennenlernen werden. Für ein solches Kennenlernen und sporadische Treffen bin ich absolut offen. Einige der Betroffenen wünschen sich das, andere überhaupt nicht. Ich muss hierbei jedoch erwähnen, dass ich sowieso nicht allzu sehr im Leben der Kinder involviert sein möchte.

Danach stellt sich die entscheidende Frage: Findet die Befruchtung mittels der Becher-Methode statt oder bevorzugt die Frau, eine natürliche Befruchtung? Zu Beginn wurden für die Mehrheit von Befruchtungen Becher eingesetzt, während hierfür mittlerweile fast ausschliesslich natürlicher Geschlechtsverkehr vollzogen wird.



Im Sinne der Vollständigkeit: Was kann man sich unter dieser «Becher-Methode» vorstellen?



Bei dieser Methode, sammle ich den Samenerguss in einem Becher, woraufhin die Frau sich das Sperma mittels einer Spritze selbst injiziert.



Muss diese Injektion dann nicht ziemlich schnell stattfinden?



Sofern die Körpertemperatur stimmt, sind auch nach zwei Stunden immer noch fast 100 Spermien überlebensfähig. Warte kurz, ich zeige dir etwas.



Dominik steht auf und holt eine Tasche. Er öffnet sie, gräbt darin und holt eine, in Plastik verpackte Spritze sowie ein Dokument hervor.

Das ist nun zum einen eine solche Spritze, die für die Injektion von Samen verwendet wird.



Kaufst du selbst das benötigte Material ein?



Nein, nein. Das übernehmen die Frauen.

Dominik übergibt mir das Dokument.

Hier siehst noch das Attest, meiner aktuellsten Untersuchungsergebnisse vom Juni. Wie du erkennen kannst, werde ich dabei jeweils aus Hepatitis, HIV, Chlamydien-Infektionen, Tripper, usw. geprüft. Grundsätzlich alle Geschlechtskrankheiten, die auftreten können.



Wie oft lässt du diese Untersuchungen über dich ergehen?



Alle drei Monate.



Und die Kosten für diese Tests, deckst du eben mit diesen Spesen, die du deinen Klienten/Klientinnen berechnest?



Ja, genau. Ein Untersuchungsverfahren für alles, kostet insgesamt 300 Franken. Ich lasse jedoch nicht immer alles miteinander testen. In der Regel ist es so: Alle drei Monate einen HIV-Check und einmal pro Halbjahr dann eine Untersuchung, die alles beinhaltet.



Welche Tests müssen die Frauen im Gegenzug vorweisen können?



Sicher mal den HIV-Test – ohne diesen, kommt es erst gar nicht zur Spende. Was die anderen Geschlechtskrankheiten anbelangt, ist es so, dass die meisten noch vor unserem Treffen einen Gynäkologen bzw. eine Gynäkologin aufsuchen. Dieser oder diese würden merken, wenn etwas nicht stimmen würde. Scheidenpilz ist bspw. eine Geschlechtskrankheit, die Frauen schnell auflesen können. Um Pilz vorzubeugen, benutze ich jedoch eine Creme aus der Apotheke, die ich nach dem Verkehr benutze und die Bakterien sofort abtötet.



Alles klar! Während des gesamten Prozesses, werden demnach keinerlei unnötiger Risiken eingegangen. Doch gehen alle Samenspender so gewissenhaft vor wie du es tust?



Ich bin eigentlich nicht mit anderen Samenspendern in Kontakt. Aber es ist schon so, dass die Verzweiflung bei vielen Frauen so gross ist und sie sich infolgedessen an irgendjemanden wenden, ohne dessen Professionalität weiter in Frage zu stellen. Allgemein gilt: Bei dem Bezug einer Spende ist viel Vorsicht geboten.



Also: Gehen wir davon aus, dass alle grundlegenden Fragen geklärt sind. Beide sind sich hinsichtlich des Vorgehens einig. Was geschieht dann?



Genau. Also vorausgesetzt, die Vorstellungen sowie Umstände stimmen nach wie vor für beide Parteien überein und beide fühlen sich wohl: Dann wird festgelegt, wann das Ganze losgehen soll. Die Frauen liefern mir infolgedessen fortlaufend Updates zu ihren Zyklen, so dass wir den geeignetsten Zeitpunkt für den Befruchtungsversuch festlegen können.



Nur kurz um nachzuhaken: Du meintest eben, dass natürlicher Geschlechtsverkehr mittlerweile fast immer der Becher-Methode vorgezogen wird. Jetzt frage ich dich als Fachmann: Funktioniert dies denn besser oder wie kommt es dazu?



Auch das kann man nicht verallgemeinern. So viele verschiedene Faktoren sind schlussendlich dafür ausschlaggebend, ob eine Befruchtung glückt oder eben nicht. Der Zeitpunkt, die Blutgruppe, die psychische Verfassung – all dies übt einen grossen Einfluss aus. Das mit dem natürlichen Geschlechtsverkehr, hat sich irgendwie einfach so ergeben…



*Name von der Redaktion geändert

Fact-Check: Nationale Gesetzeslage



Wer profitiert von Samenspenden über den offiziellen Weg einer Samenbank?



In der Schweiz ist eine medizinisch unterstützte Fortpflanzung ausschliesslich verheirateten Paaren vorbehalten. Im Konkubinat lebende wie auch homosexuelle Paare und alleinstehende Frauen haben kein Zugangsrecht.


Weiteres Wissenswertes bzgl. Samenspenden in der Schweiz



Im Folgenden noch einige ergänzende Aspekte:

  • Die Krankenkasse kommt nicht für die Kosten von Spender-Inseminationen auf.


  • Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, ist es Ehepaaren hierzulande nicht erlaubt, den jeweiligen Samenspender aus einem Katalog auszuwählen. Eine Selektion wird durch die Schweizer Gesetzeslage untersagt.


  • Der Spender wird durch die individuelle Kinderwunschklinik gemäss fundamentalen Kriterien wie Blutgruppe, Statur, Haarfarbe sowie Augenfarbe bestimmt. Dieses Vorgehen soll gewährleisten, dass ein Kind in die künftige Familie «passt».


  • Bezieht ein Ehepaar eine Spende über eine Samenbank, gilt der Ehemann als rechtmässiger Vater des Kindes.


  • Seit 2001 hat ein Kind nach Erreichung der Volljährigkeit das Recht, die Identität des genetischen Vaters in Erfahrung zu bringen.




  • Quellen:


    https://www.beobachter.ch/gesellschaft/samenspende-die-kinder-der-samenbank-auf-vatersuche


    https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/auf-identitaetssuche_mein-vater--ein-samenspender-mit-gesicht/44277354


    Disclaimer



    Dies war der zweite von insgesamt vier Teilen einer Serie. Es handelt sich hierbei um Ausschnitte eines Interviews, welches mit dem Samenspender Dominik durchgeführt wurde. In dem Vierteiler werden verschiedene Aspekte rund um Dominiks Leben, seine persönliche Gefühlswelt sowie die Thematik der Samenspende beleuchtet.

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    *Es gelten die Richtlinien des Schweizer Presserats.